CRAZY FOR YOU

2011

THEATER NORDHAUSEN

 

Wild West in Nordhausen - da geht die Post ab!
Premiere des Gershwin-Musicals ein voller Erfolg
Von Evelyn Lange

Knapp zwanzig Jahre gibt es „Crazy for you“, das seitdem auf Erfolgstour um die Welt galoppiert. Hervorgegangen aus George und Ira Gershwins „Girl Crazy“, macht die Pferdeoper mit Augenzwinkern nun auch in Nordhausen Station. Regisseurin Iris Limbarth, ausgewiesene Musical-Spezialistin und in Nordhausen, um in der Szene zu bleiben, kein Nobody, hält die Zügel fest in der Hand. Blaue Bohnen fliegen kaum, dafür jede Menge Gags, Slapstick vom Feinsten und Revue, Revue im besten Sinne. Sie holt dafür alles auf die Bühne, was in Cowboystiefel passt und koordiniert dieses Riesenspektakel zu einem höchst vergnüglichen Abend. Dazu passen Bühnenbild (Reinhard Wüst) und die vielfältigen Kostüme von Elisabeth Stolze-Bley wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge. Ein frisch swingendes Loh-Orchester unter Alexander Stessin bietet Gershwin par excellence, gibt sich behende dem Big Band – Charakter hin und hält durch die Bank den „Rhythm“. Der Chor hält mit und die schmucken „Ebnother-Follies“ zur Stange. Das Premierenpublikum honorierte diese rundum gelungene Ensembleleistung mit stehenden Ovationen. 
Ende gut – alles gut. Theater so leicht zu retten, welch ein Segen wäre das für unsere Kulturlandschaft.


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Der Traum vom großen Theater
von Christoph Schulte im Walde

Crazy for you ist eine aus Gershwin-Melodien zusammengestellte Geschichte, in der es natürlich um Liebe, aber auch um den „American Way of Life“ geht. Billy Child, dieser bühnenverrückte Jung-Banker soll in Deadrock eine Theater-Immobilie vom verschuldeten Besitzer übernehmen - und stellt stattdessen eine Show auf die verlassenen Bretter, die die Welt bedeuten.
Iris Limbarth, Regisseurin und Choreographin in einem, inszeniert die Geschichte als Dreh zu einem Film, während im Hintergrund Sequenzen aus dem Streifen Girl Crazy mit Mickey Rooney und Judy Garland laufen – der Grundlage für Crazy for you. Das passt gut, denn so können die Umbauarbeiten als Szenenwechsel einbezogen werden. Reinhard Wusts Bühne zeigt die Fassaden einer Westernstadt, die ihre besten Zeiten während des längst erloschenen Goldrauschs gesehen hat und entsprechend heruntergekommen ist, sowie das Interieur eines Theaters
mit Kostümständern und herumstehende Requisiten. Darauf agieren die Figuren in der Kleidung der Vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts – der Entstehungszeit von Gershwins wunderbarer Musik.
Dies der Rahmen für die fantastische Show, die sich im Nordhäuser Theater entfaltet. Was Limbarth da zusammen mit ihrer choreografischen Mitarbeiterin Beth Keasey auf die nicht eben große Bühne zaubert, ist geprägt von Vielfalt, von Farben und schier grenzenlos sprudelnden Ideen:
Da sind die vielen Step-Nummern, ob Solo, im Duett oder als Ensemble, die in ihrem Variationsreichtum nie langweilig werden. Da sind die tollen Prügeleien im Saloon und natürlich die großen Szenen wie der Evergreen „I got rhythm“. Hier gelingt es Limbarth aller räumlichen Enge zum Trotz, das ganze Ensemble zu verzahnen und einen bunten, temporeichen Cocktail virtuos auf die Bühne zu zaubern.
Bei der Premiere ist das Theater rappelvoll – sogar Stehplätze sind verkauft worden. Erwartungsvoll verfolgt das Publikum den Abend. Die riesige Begeisterung entlädt sich daraufhin in zwölfminütigen Standing Ovations. Mit dieser Produktion ist dem so engagierten Nordhäuser Theater wieder einmal ein Volltreffer gelungen...


Trailer

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