CRAZY FOR YOU

2009

HESSISCHES STAATSTHEATER WIESBADEN

 

Wiesbadener Kurier / Wiesbadener Tagblatt, 08.09.2009

„Da steppt der Saloon“ 
Mitreißendes Musical des Jugendclubtheaters 
von Peter Müller

(...) Das gute alte Gershwin-Musical mit dem programmatischen Titel ‚Crazy for you‘ scheint einfach eine unverwüstliche Spaßmaschine. Vor allem dann, wenn der Entertainment-Motor so hochtourig gefahren wird wie im Kleinen Haus, wo es nach zwei Stunden herrlich überdrehter Western-Parodie und bunter Broadway-Hommage stehenden Applaus hagelt. Iris Limbarth (Inszenierung und Choreografie) hat sich den knapp 80 Jahre alten Klassiker (...) vorgenommen, um mit dem bestens aufgelegten Ensemble des Jugendclubtheaters das auf die Bühne zu bringen, was ‚Crazy for you‘ zu einem Broadway-Dauerbrenner gemacht hat: schön kitschiges Sentiment, unsterbliche Songs, skurrile Situationskomik, ein bisschen Chi-Chi mit Federboa oder pinkfarbenen Bauarbeiterhelmen und jede Menge puren Spaß. (...) Nicht nur die emsigen Kulissenbauer (Bühnenbild: Reinhard Wust), die formidablen Live-Musiker um Joachim Braun und die kollektiv spielfreudigen Darsteller [haben] reichlich zu tun – (...) auch als Zuschauer kriegt man in der dicht gearbeiteten, mit Klischees jonglierenden Inszenierung kaum eine Atempause. Mitreißende Tanznummern, Evergreens, Pointen, Persiflage und Kostümwechsel fast im Minutentakt, dazu im zweiten Akt eine Prise nostalgisches ‚Ginger & Fred‘-Flair – Iris Limbarth und ihrem quirligen Ensemble ist das Kunststück gelungen, all dies in einem Musical-Feuerwerk zu bündeln, das schlicht großartige Unterhaltung bietet. 


Main-Echo, 09.09.2009

„Unbändiger Spaß am überdrehten Spiel“
Jugendclubtheater Wiesbaden überzeugt 
mit CRAZY FOR YOU 
von Bettina Boyens

Donnernder Applaus, Standing Ovations und frenetische Bravo-Chöre: Mittlerweile hat man sich daran gewöhnt. Sie gehören zu den Musical-Premieren des jugend-club-theaters Wiesbaden wie das Amen in der Kirche. Der Segen des Publikums ist redlich verdient: In spritzigen drei Premierenstunden voll launiger Gershwin-Evergreens, mitreißender Stepp-Nummern, dem Wechsel von lustvoll arrangierten Massenszenen und eindringlicher Soli vergisst man immer wieder, dass hier Amateure auf den Brettern stehen. Junge Talente (...) laufen unter der Leitung von Limbarth zu Höchstform auf. Heraus kommt ein schmissiger, rundum gelungener Theaterabend ohne Schultheater-Gestotter und Anfänger-Unsicherheit. Alle scheinen zu wissen, was zu tun ist, sind immer am rechten Platz, kurz: Von Profis trennt sie nur ein paar Jahre und ein Quäntchen Erfahrung. Das Musical ist gut gewählt, weil über lange Strecken urkomisch: Cowboy-Parodien, Screwball-Pointen zuhauf und viele amouröse Turbulenzen, die den Jungstars beim Ausspielen sichtlich Vergnügen bereiten. Allen voran agiert Felicitas Geipel wieder einmal souverän als Cow-Girl Polly (...). Tim Speckhardt brilliert mit guter Intonation und smarter Ausstrahlung in der Doppelrolle vom verliebten Erben Bobby und falschem Impresario Bela Zangler. Tänzerisch überragend ist Christina Blum als Vortänzerin Tess (...). Norman Hofmann spielt mit drolligem, ungarischen Akzent und viel weltmännischem Gehabe. Verschwenderisch und geschmackvoll wie gewohnt die Arbeit von Kostümbildnerin Heike Ruppmann. Iris Limbarth und ihre Stage-Crew gehen mit ihrem größten Talent verschwenderisch um: Ihrem unbändigen Spaß am überdrehten Spiel. Das reißt einfach alle mit und das Publikum schließlich von den Sitzen. Macher Profi kann sich hier in punkto Spielfreude was abschauen. 


hr2-Frühkritik, 04.09.2009
von Martin Grunenberg

Das war ein Abend, der hat richtig Spaß gemacht. (...) Man kann sich bei diesem Stück (...) wunderbar amüsieren (...). Gestern Abend in Wiesbaden ist aber ein Ensemble zu sehen gewesen, dass mit so viel Herzblut, Engagement und Freude dabei ist, dass es wirklich ein mitreißender Abend ist (...). Die waren alle sehr sehr gut. (...) Man muss vor allen Dingen Iris Limbarth ein riesiges Kompliment machen. (...) Die Inszenierung von ‚Crazy for you‘ ist so spritzig, so einfallsreich choreographiert. Es gibt immer wieder Tanzszenen für das ganze Ensemble und da tanzt jeder wirklich bis in die letzte Reihe gut mit. Das Bühnenbild ist sehr geschickt gemacht. (...) An den Kostümen hat man auch nicht gespart. Also das gehört alles dazu. Der Abend hat auch viel Witz, was natürlich auch am komödiantischen Talent der Mitwirkenden liegt. Und es wird auch sehr sehr gut gesungen. Das Timing der Dialoge stimmt und nicht zu letzt wird auch gut musiziert. 

musicalzentrale

CRAZY FOR YOU
"I got rhythm!"

Erst Porter, dann Gershwin: Mit dem Remake der Westernparodie "Girl Crazy" von George und Ira Gershwin spielt der Jugendclub des Wiesbadener Staatstheaters im zweiten Jahr in Folge einen "Klassiker" - und begeistert erneut.
(Text: Daniel von Verschuer)

Schon mit dem in der vergangenen Spielzeit gezeigten Cole-Porter-Klassiker "Anything Goes" hat der Jugendclub des Staatstheaters Wiesbaden bewiesen, dass Amateure auch Musicals auf ansprechendem Niveau auf die Bühne bringen können, in denen viel getanzt wird. Während sich die Zahl der Tanzszenen in "Anything Goes" noch in Grenzen hält, ist George Gershwins "Crazy for You" ein ausgemachtes Tanzmusical - beinahe jeder Song ist durchchoreografiert,……Die 15- bis 27-Jährigen bringen diese unter der bewährten Leitung von Iris Limbarth erarbeiteten Schrittfolgen mit einer unbändigen Spielfreude aufs Parkett, wirbeln und hüpfen durch die mitreißenden Ensemblenummern.....der Gesamteindruck passt, die Zeit vergeht wie im Flug! Auch gesanglich und schauspielerisch braucht sich niemand aus der dreißigköpfigen Truppe zu verstecken. Die Neuzugänge können allesamt gut mit den "alten Hasen" mithalten; das angenehm ausgewogene Level der Stimmen, sowohl die Dynamik als auch die saubere Intonation betreffend, imponiert. 
Wie schon bei "Anything Goes" glänzen Felicitas Geipel und Tim Speckhardt in den Hauptrollen…..Auch die Nebenrollen sind toll besetzt, Norman Hofmann als Broadwayproduzent Bela Zangler mit ungarischem Akzent und viel Gespür für Komik sticht besonders hervor. Die Slapstick-Szene gemeinsam mit Speckhardt, in der der echte und der falsche Zangler einander besoffen gegenübersitzen, ist grandios gespielt und inszeniert.
Überhaupt ist Iris Limbarths Inszenierung ideen- und pointenreich - mal kommen Mädchen in Bauarbeiter-Overalls singend aus Gullideckeln hervor, mal erhebt sich eine Tänzerin mit gespielt schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Spagat, und die Saloon-Schlägerei entpuppt sich als Probe für die ungeduldig erwarteten Touristen. Alles wunderbar eingeübt und witzig dargeboten.
Einziger wirklicher Wermutstropfen: Die Produktion verfügt offensichtlich nicht über ausreichend Budget, um George Gershwins wunderbare Streicherarrangements auch von solchen spielen zu lassen. Zwar spielt die zehnköpfige Band unter der Leitung von Joachim Braun und Frank Bangert fetzig und sicher, aber Geigen und Celli kommen hörbar aus dem Synthesizer….
Trotzdem ist dem Jugendclub wieder eine Produktion auf beachtlichem Niveau gelungen, die sich nicht hinter professionellen Inszenierungen verstecken muss.

 

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